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Ausgabe 23.03.2011
Landtagswahl 2011: Der SPD-Landtagskandidat Florian Wahl möchte Bürgernähe und kritischen Kopf bewahren
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Ausgabe 23.03.2011
Landtagswahl 2011: Der SPD-Landtagskandidat Florian Wahl möchte Bürgernähe und kritischen Kopf bewahren

Bei der Landtagswahl am 27. März sind die Kandidaten besonders gefordert: Ihr individuelles Prozentergebnis entscheidet über den Einzug ins Parlament. Die KRZ stellt die Bewerber in einem ausführlichen Porträt vor. Heute Florian Wahl (SPD), Wahlkreis 5, Böblingen/Sindelfingen.
BÖBLINGEN. Es ist kalt an jenem Märzmorgen im Wald. Einsam stehen die Gebäude zwischen kahlen Bäumen, von Osten dringt das Ballern der US-Streitkräfte herüber, ansonsten ist es ruhig, keine Menschenseele ist zu sehen. Auch wenn sich die Szenerie im evangelischen Walheim Tannenberg so sehr von der unterscheidet, die hier während der Sommerferien herrscht, kann sich Florian Wahl gut an seinen ersten Aufenthalt im Waldheim erinnern. Acht Jahre alt war er damals, gerade mit seinen Eltern und den beiden Schwestern nach Böblingen gezogen.
"Da stand ich", erzählt er und zeigt auf den Platz zwischen Hauptgebäude und Spielfeld. "Vorne sprach der Dekan und ich kannte niemanden." Fremd und unsicher habe er sich gefühlt. Und nicht geahnt, dass das Waldheim einmal so etwas wie sein zweites Wohnzimmer werden würde. Doch auf den ersten Aufenthalt folgten viele weitere: erst als Waldheimkind, dann als Betreuer und später als Mitglied des Leitungsteams, als Teil der Waldheimfamilie. "Ich hab noch alle Waldheim T-Shirts", erzählt er, "18 Stück insgesamt."
Auch wenn seine Kindheit und Jugend nicht nur aus Waldheim bestand, ist sich der 26-Jährige sicher, dass ihn die Zeit dort geprägt hat. "Ohne Waldheim und evangelisches Jugendwerk wäre ich sicher nicht im Gemeinderat gelandet", sagt der junge SPD-Rat, der 2004 als 19-Jähriger ins Böblinger Gremium eingezogen war und vor zwei Jahren wiedergewählt wurde. "Ich bin so erzogen worden, dass man sich artikuliert, engagiert und seine Umwelt mitgestaltet." Deshalb zieht der SPD-Kandidat keine klare Trennlinie zwischen politischem Engagement und Ehrenamt. "Ich habe schon Politik betrieben, als ich im Waldheim oder in der SMV war."
Allerdings baut der 26-Jährige durchaus auf ein theoretisches Fundament. Nach der Schulzeit am OHG und am MPG in Böblingen entschied er sich, Politik und Anglistik zu studieren, während eines Dublin-Aufenthalts arbeitete er beim irischen Gewerkschaftsbund, wieder zurück in Deutschland wurde er parlamentarischer Mitarbeiter bei dem Mann, den er jetzt politisch beerben möchte: beim SPD-Landtagsabgeordneten Stephan Braun. Dann wechselte er zu Birgit Kipfer in den Wahlkreis Herrenberg und wurde von deren Nachfolger Dr. Tobias Brenner übernommen. Jetzt kämpfen beide - teils Seite an Seite, teils jeder für sich - um viele Stimmen und um den Einzug ins Landesparlament.
"Wenn mir vor einem Jahr einer gesagt hätte 'Flo muss in den Landtag', hätte ich ihn für verrückt gehalten", sagt Wahl. Er nahm die Herausforderung an und setzte sich bei der Nominierung gegen drei Konkurrenten durch. "Für mich sprach, dass ich jung bin und kommunalpolitische Erfahrung, aber keine klassische Parteivita habe, sondern aus dem Ehrenamt komme." Entsprechend will er sich nicht gänzlich vereinnahmen lassen, sondern beansprucht für sich, der kritische Kopf geblieben zu sein, der eine gesunde Distanz zum parteipolitischen Betrieb habe. "Ich will nicht mit Krawatte in wohltemperierter Umgebung unterwegs sein." Auch wenn er den Sprung in den Landtag schaffe - "was ich natürlich hoffe" - werde man ihn mal in der Kneipe, auch im Walheim treffen.
Wer aber glaubt, dass Wahl trotz der kritischen Haltung gegenüber dem klassischen Politikbetrieb, seine Kandidatur nicht ernst nimmt, der irrt sich. Seit klar ist, dass er in Böblingen für seine Partei ins Rennen geht, kniet er sich rein, sucht das Gespräch mit Bürgern, Vereinen und anderen Institutionen und Gruppen. Pfarrämter, Schulen, Kindergärten, Vereine, Bürgermeister, Initiativen - rund 700 solcher Besuche hat Wahl bis Anfang März gezählt. "Dabei geht es mir vor allem darum, mich zu informieren und zu sehen, welche Anliegen die Menschen haben." Ihm mache das Ganze viel Spaß, sagt er, die Begegnung mit anderem Lebenswelten findet er bereichernd.
Diesen bürgernahen Stil möchte er beibehalten. "Falls ich gewählt werde, werde ich in Kreistag und Gemeinderat bleiben." Ein Bürgerbüro, ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen, Auszeichnungen für Ehrenamtliche und eine Initiative für Ausbildung sind vier seiner Vorhaben für den Fall eines Wahlerfolgs. Ein weiteres Thema, das ihm wichtig ist, ist die Bildungspolitik. "Die zentrale Gerechtigkeitsfrage." Unter anderem will er sich für eine Hochschule im Kreis einsetzen. Auch die Interessen des Mittelstands liegen ihm nach eigenen Angaben am Herzen.
Auf parteipolitisches Klein-Klein habe er keine Lust. "Wenn der politische Gegner etwas Sinnvolles macht, habe ich kein Problem damit, das anzuerkennen." Aussagen, die sich der junge SPD-Mann auch nicht verbieten lassen will. "Ich muss nicht Everybody's Darling sein. Das war schon früher so und wird auch künftig so sein."
Bild und Text Böblinger Kreiszeitung
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