Gemeinsam mit Pfarrern, Kirchengemeinderäten, engagierten Gemeindemitgliedern sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern hat der Stadt- und Kreisrat Florian Wahl als SPD- Landtagskandidat auf seiner Dialogveranstaltung im Gemeindehaus Troppel in Weil im Schönbuch zu dem Thema „Wie viel Kirche braucht der Staat?“ über das Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Kirche in Baden- Württemberg und im Kirchenbezirk Böblingen diskutiert.
Vor über dreißig Besuchern hat Florian Wahl mit dem kirchenpolitischen Sprecher der SPD- Landtagsfraktion und Kirchengemeinderat in Abstatt Ingo Rust MdL, der Sindelfinger Gesamtkirchengemeinderatsvorsitzenden und Freie- Wähler- Fraktionsvorsitzenden Ingrid Balzer, dem geschäftsführenden Pfarrer der Martin- Luther- Gemeinde Böblingen Falk Schöller und dem Weilemer Pfarrer Götz Krusemarck eine engagierte Diskussion über die Bedeutung und Aufgaben von Kirche in der Gesellschaft geführt.
„Es war mir ein Anliegen, im Rahmen meiner Dialogveranstaltungen, eine Diskussion zwischen Politiktreibenden und Kirchenvertretern zu ermöglichen, bei welcher über die Bedeutung von Kirchen in unserer heutigen Gesellschaft gesprochen wird. Ein intensiverer Austausch zwischen Kirche und Staat ist heute notwendiger, denn je“ so Wahl, der neben seiner politischen Tätigkeit selber aktiv im evangelischen Jugendwerk Böblingen und dem evangelischen Waldheim Tannenberg ist.
In seinem Impulsreferat umriss Ingo Rust das Verhältnis von Kirche und Staat im geschichtlichen Rückblick, der bei den Christenverfolgungen im Römischen Reich begann und beim Staats- Kirchen- Vertrags 2007 endete.
Rust nahm auch Bezug auf die gesetzliche Basis des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat, erwähnte sowohl den Gottesbezug in den Verfassungen, die Religionsfreiheit wie auch den Schutz der Sonn- und Feiertage per Gesetz. Auch wies er auf die Staatsleistungen an die Kirchen hin, die als Entschädigung für die Säkularisation unter Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute bezahlt werden. Aktuell nannte er die Zahl von 35,8 Millionen Euro pro Jahr allein an die württembergische Landeskirche. Weltweit einmalig sei auch die Tatsache, dass der Staat für die Kirchen die Kirchensteuer eintreibe, wobei dieser sich diese Dienstleistung auch mit drei Prozent der Steuersumme bezahlen lasse, was jedoch eine „win- win Situation“ für Kirche und Staat sei.
Rust Fazit: „Die Trennung von Staat und Kirche ist gut. Es ist aber auch gut, dass die Kirchen sich in die Gesellschaft einbringen für diejenigen, die sich nicht selbst einbringen können.“
In der darauffolgenden Diskussion herrschte Einigkeit, dass Kirche eine Pionierrolle in den Bereichen habe in denen Not herrsche. Kirche sehe Probleme oftmals früher und handle schneller, bevor Politik und Gesellschaft sich der Probleme annehme.
Sehr engagiert diskutierte das Podium über die „Wächterfunktion“, welche Kirche in unserer haben muss, ob in der Frage von verkaufsoffenen Sonntagen, sowie der Beeinträchtigung eines immer mehr auf Ganztagsbetreuung ausgerichteten Bildungssystems. Menschwerdung und Persönlichkeitsbildung, sowie Werte, Ethik, Moral und auch Glaube dürften bei aller Ökonomisierung in der Erziehung nicht verloren gehen.
„Bei der unumstrittenen Analyse, dass Ganztagsschulen und Kindergärten aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung immer notwendiger werden, darf man sich der gesellschaftlichen Frage eines grassierenden Werteverfalls bei einer Scheidungsrate von über 50% nicht verschließen. Das Wort der Kirche muss in dieser Debatte stärker Gehör finden“ so der SPD- Landtagskandidat.
„In dieser Diskussion ist mir klar geworden, dass ein regelmäßiger und grundsätzlicher Austausch zwischen Politik und Kirchenvertreter in Zukunft stärker geführt werden muss, auch bei uns im Kreis, so Wahl abschließend.
Text und Bild:Florian Wahl